Das Erwachen der Welt

Am Anfang gab es nichts außer der endlosen Nebelsee und dem darüber thronenden, matt schimmernden Firmament. Alles war von Dunkelheit und Stille erfüllt, für eine so unglaublich lange Zeit, dass es in keiner Sprache der Welt ein Wort gäbe, das beschreiben könnte, wie lange diese Zeit anhielt.

Gewiss ist jedoch, das diese Zeit in dem Moment endete, als im Nichts Firya erwachte.

Firya die Seele der Welt. Firya das Licht und der Schatten. Firya der Anfang und das Ende, allmächtig und unendlich.

Doch zu Beginn schimmerte ihr Licht schwach und ihr Geist war müde und so fiel sie in ihren tiefen Schlaf zurück.

Doch etwas hatte sich im Augenblick ihres ersten Erwachens verändert. Ihr Schlaf war nicht länger von Stille und Dunkelheit erfüllt, wie die Welt. Er war nun erfüllt von Träumen. Träume die die Stille, Leere und Dunkelheit der Nebelsee irgendwann mit Licht und Klang erfüllten würden.

Überwältigt von dem, was Firya in diesen Träumen erblickte, wuchs in ihr der Wunsch, das Licht und die Schönheit, die sie in ihren Träumen sah, wirklich werden zu lassen. Mit jedem neuen Traum wurde ihr Wunsch stärker und schließlich gelang es ihr sich von der Müdigkeit zu befreien. 

Nachdem Firya das Nichts und die Dunkel eine Weile betrachtet hatte, formten ihre Gedanken Bilder von der Welt, die sie ihren Träumen erblickt und durchwandert hatte.

Sie tauchte hinab in die Tiefen auf den Grund der Nebelsee und an der Stelle, an der sie den feinen Sand berührte stieg, ein gewaltiger Kontinent aus den Tiefen der Nebelsee empor.

Zuerst waren die Weiten des Kontinents karg, schroff und leer, doch schon bald schien das Land ebenso zu erwachen wie Firya.

Felsige Landstriche und Ödland veränderten sich. Quellen sprudelten empor, Berge erhoben sich, Täler durchzogen die Landschaft und Flüsse suchten sich ihre Wege.

Dort wo Firya das Land berührte begann sich Leben zu erheben, denn die ersten Pflanzen keimten auf, wuchsen und bedeckten letztlich den blanken, nackten Stein. Am Anfang waren es nur Gräser, Halme und moosiges Grün, doch Firyas Kraft formte dieses zarte Leben schon bald zu Bäumen, Sträuchern und Blumen… vielfältig und farbenfroh. 

Als ihr Werk vollbracht war durchstreifte Firya die Welt und erfreute sich am Anblick des Landes. Egal ob die sandigen Weiten, Berge, Seen oder Wälder, sie genoss die Idylle, spürte die Welt und den Strom von Magie und Kraft, der nicht nur länger durch sie hindurch floss, sondern auch durch das Land. 

Jedoch konnte auch die größte Schönheit eines nicht vertreiben…. die Stille. 

So verließ Firya den Kontinent und bettet sich erneut um zu träumen. 

In ihren Träumen formten sich Gedanken, Sehnsüchte und Wünsche zu Lichtern. Jedem verlieh sie einen Aspekt ihres Wesens und einen Funken ihrer Macht.

Firyas ersten Traum entstieg Virione, beseelt mit der Kraft der Erde. Firyas zweiten Traum entsprang Elethea beseelt mit der Kraft des Wassers. Aus ihrem dritter Traum ging Elvar beseelt mit der Kraft der Lüfte hervor. Diesem folgte in Firyas viertem Traum Tharag beseelt mit der Kraft des Feuers. In ihrem fünften Traum jedoch zersprang das Licht bevor es zum Leben erwachte und teilte sich in 2 Wesen. Ihnen gab sie die Namen Aran und Divina. Aran beseelt vom Schatten und Divina beseelt vom Licht. 

Die Arwah – die Seelen der Elemente waren geboren. 

Doch sie waren noch unwissend und so schuf Firya für sie Celestil, den Sitz der Götter wie ihn die sterblichen Völker einst nennen würden.  

Firya brachte den Arwah bei ihr Wesen und den Funken der Machte, der sie erfüllte zu verstehen. Sie erweckte die Magie in ihnen und lehrte sie ihre Kräfte zu formen. Ebenso lehrte sie Firya Harmonie und Gleichgewicht zwischen allem Sein zu wahren und zu schätzen.

Schließlich führte sie die Arwah hinab auf den Kontinent, den sie einst geschaffen hatte.

Zuerst reiste ein jeder der Arwah allein und genoss die Schönheit des eigenen Elementes, doch schließlich lernten sie auch die Schönheiten der anderen Elemente zu sehen und zu verstehen.

Doch wie auch Firya, beklagten die Arwah die Stille der Welt und baten darum, dem Kontinent mit ihrer Magie eine Stimme zu geben. 

Firya entsprach diesem Wunsch und ließ die Arwah gewähren. 

Und so bevölkerte Virione mit der Magie der Erde das Land mit vielen verschiedenen Tieren und mystischen Wesen. Elethea verlieh der Welt mit der Kraft des Wassers den Kreislauf von Entstehen und Vergehen. Elvar formte mit der Macht des Windes die Jahreszeiten und die stetige Veränderung der Natur. Tharag entflammte mit der Macht des Feuers den Lebenswillen allen Seins und zuletzt beschenkten Divina und Aran die Welt mit dem Wechsel von Tag und Nacht und somit mit dem vergehen von Zeit.

Diese Magie der Arwah verwob sich zu einem festen Kreislauf, in dem jede Form von Leben ihren eigenen Platz besitzen sollte.

Doch die Arwah spürten, dass es sie nach Celestil zurückzog zu Firya und so beschlossen sie, den Kontinent in die Hände von Wesen zu legen, die wie alle anderen Dinge dem Kreislauf des Lebens unterlegen wären.

Aus diesem Grunde schufen die Arwah die sterblichen Völker. 

Schon bald war das Land bevölkert von den Zwergen, einem stolzen Volk von Handwerkern und Schmieden, den Nymphen, einem Volk tief verwurzelt mit der Natur und der Magie, den Menschen, einem fleißigen und eifrigen Volk und den Ork, einem Volk entschlossener Krieger. 

Außerdem schufen die Arwah die Drachen, welche die sterblichen Völker später einmal die Dhiragoni nennen würden. Allein ihre mächtigen Schwingen besaßen die Kraft, den Kontinent zu verlassen und bis nach Celestil empor zu steigen. So sollte es ihre Aufgabe werden, als Boten zwischen den Welten zu reisen. 

So waren es auch die Dhiragoni, die den sterblichen Völkern das Wissen über die Welt vermittelten, die sich teilte in Celestil, den Sitz Firyas und Iviriath, die Welt der sterblichen Völker, in dessen mitte der Kontinent aus der Nebelsee empor ragte. 

Als ihr Werk vollendet war, übergaben die Arwah das Land in die Hände der sterblichen Völker, mahnte sie, das ihnen Geschenkte stets zu ehren und begaben sich dann wieder nach Celestil. 

Voller ehrfurcht priesen die sterblichen Völker Firya und die Arwah als Götter und beschlossen den Kontinent von diesem Tage an Firyath zu nennen.