Die Dhiragoni

Von allen sterblichen Völkern waren es wohl die Dhiragoni, die am meisten verloren haben, durch Valverahs – die Nacht der Scherben.

Neben zahlreichen magischen Fähigkeiten verloren die Dhiragoni ihre Gabe, ihre ursprüngliche Gestalt als Drache wieder anzunehmen. Sodass sie fortan gezwungen waren, ihr Dasein in ihrer humanoiden Gestalt zu fristen.

Der Verlust ihrer Gabe erschütterte das Volk der Dhiragoni bis in die Grundfesten. Ihr Drachenblut war zwar immer noch mit der Magie Firyas verbunden, doch vermochte es nicht länger die Dhiragoni vor Krankheiten oder Verletzungen zu schützen, oder jene zu heilen. Auch fürchteten sie, dass die Gefangenschaft in der humanoiden Form ihre Lebensspanne beträchtlich verkürzen würde.

Die Ungewissheit über ihr Schicksal brachte Zweifel und Unruhe in die Reihen der Dhiragoni, auch das Zusammenleben mit den anderen Völker gestaltete sich auf vielen Bruchstücken Firyaths schwierig.

Besonders die Zwerge veranstalteten nicht selten Hetzjagden auf Dhiragoni, da sie ihnen vorwarfen den Göttern falsche Kunde zugetragen zu haben und somit die Auslöser Valverahs gewesen zu sein.

Verfolgt, gejagt und jeder Möglichkeit beraubt den Berg Hyrilon der Celestil und Iviriath trennt, zu erreichen, um dort im Nest der Drachen ihre Eier zu legen und Nachwuchs groß zu ziehen, waren die Dhiragoni lange Zeit im Begriff auszusterben.

Gezwungen, das scheinbar unvermeidbare zu verhindern beschlossen einige Vertreter ihrer Art den Paarungsakt in ihrer humanoide Form zu vollführen und Junge auf die gleiche Art, wie die sterblichen Völker zu gebären.

Ein Akt, der von vielen Dhiragoni verurteilt und als zutiefst widernatürlich empfunden wurde.

Nicht nur, dass die Nachkommen solcher Verbindungen nur noch einen Bruchteil der Fähigkeiten ihrer Eltern besaßen, unterschied sich auch ihr Erscheinungsbild von ihren Eltern, da sie mehr gewöhnlichen Menschen glichen. Auch ihre Lebenserwartung war längst nicht mehr mit ihren Vorfahren zu vergleichen.

Schlussendlich zogen sich sämtliche reinblütigen Dhiragoni zurück, um unter ihresgleichen zu leben. Sie brandmarkten alle jene, die unreines Blut besaßen, oder verbreitet hatten und schlossen sie aus ihrer Gesellschaft aus.

So suchten die Nachkommen der Dhiragoni Schutz und Zuflucht bei den anderen sterblichen Völkern Iviriaths. Doch auch bei den Menschen, Nymphen, Orks und Zwergen fanden sie kaum Anerkennung oder Akzeptanz.

Dies änderte sich erst, als die Völker in der Weltstadt Tasira den Pakt von Urelon eingingen, durch welchen ein Waffenstillstand ausgerufen wurde. Fortan war das sinnlose Hetzen, Jagen und Morden der Völker untereinander verboten und auf Zuwiderhandlungen gegen die Vereinbarungen des Paktes standen harte Strafen.

In der heutigen Zeit leben die Nachkommen der Dhiragoni weit verteilt über die Inseln Iviriaths, geteilt in zwei Sippen. Die Sippe der Sahri, welche ihr Leben der Magie verschrieben hat und die Sippe der Sekka, welche eher eine kriegerische Gesinnung besitzt.

Zu Gewaltsamen übergriffen kam es zwischen Dhiragoni und den anderen Völkern Iviriaths, dank den Paktes von Urelon seit langer Zeit nicht mehr. Auch, wenn die Dhiragoni und die Zwerge keinerlei Hehl aus ihrer gegenseitigen Abneigung machen. In manchen Gegenden kommt es so zwar durchaus regelmäßig zu Streitigkeiten oder Kneipenschlägereien, jedoch gehören diese in den entsprechenden Etablissements auch zum guten Ton dazu.

Trotz des Pakts leben auch heute noch viele Sahri und Sekka im verborgenen. Jene deren Äußeres die Herkunft nicht erahnen lässt, leben versteckt unter den Menschen und gehen dort einfachen Berufen des Handwerks nach.

Jene deren Drachenmerkmale deutlich zu sehen sind führen oft ein Leben als Einsiedler, abgeschieden von anderen Völker.

Von den reinblütigen Dhiragoni fehlt seit vielen Jahren jede Spur, sodass ein großer Teil der Bevölkerung Iviriaths davon ausgeht, dass es keine mehr von ihnen gibt.