Die Zwerge

Würde man die Vertreter der anderen 4 Völker, um ihre Meinung zum Volk der Zwergen bitten, so würde man 4, nun sagen wir… recht unterschiedliche Meinungen zu hören bekommen, und längst nicht alle würden lobend über die Zwerge sprechen.

Doch auch wenn die Liste der Vorurteile gegenüber den Zwerge prall gefüllt ist mit Eigenschaften wie: Geiz, Schroffheit, Machthunger, Gier, Sturheit, Arroganz, Garstigkeit, Hinterhältigkeit oder auch einem Hang zu übertriebenem Protz…

So kann eines über die Zwerge gewiss nicht gesagt werden, nämlich das ihr Volk untätig gewesen wäre…

Denn während einige andere Völker und Stämme, sich schon vor dem Bruch der Welt uneinig waren oder nach der Nacht der Scherben in tiefe Ratlosigkeit oder lähmende Verzweiflung verfielen, waren es die Zwerge, die ihr Volk stetig durch Zusammenhalt und unerschöpflich Ehrgeiz voran brachten.

Ihre Gemeinschaft besteht aus den 5 großen Clans.

Der Clan der Grindol – Ein Clan fähiger Handwerker. Bergmänner, Schmiede, Geologen, Goldgräber, Edelsteinschleifer, Kunstschmiede, Waffenschmiede, Rüstungsschmiede, Bildhauer, Steinmetze – völlig gleich in welcher Form sich Grindol mit den Schätzen der Erde befassen, ihre Fähigkeiten lassen sich blicken! Der Ehrgeiz und das Können, welches sie in ihr Handwerk legen, sucht nämlich seines gleichen.

Der Clan der Mondrak – Ein Clan von Gelehrten und Wissenschaftlern. Ihr Wissensdurst und Forschergeist sucht seines Gleichen. Auch wenn ihr Clan eine sehr düstere Vergangenheit besitzt.

Der Clan der Andar – Ein Clan von entschlossenen, starken Kriegern. Nur wenige von ihnen schwingen im Kampf Schwerter… als wahre Kunst gilt für sie nur der Kampf mit einer mächtigen Axt!

Der Clan der Ulnorn – Ein Clan von emsigen Erfindern und Tüftlern. Auf dem gesamten großen Kontinent gab es seinerzeit keinen Mechanismus, den ein Ulnorn nicht hätte entschlüsseln können. Nichts ist zu kompliziert, nichts zu filigran. Ihr Ideenreichtum ist einzigartig und es ist vollkommen zweifelsfrei, das die großen Erfindungen der sterblichen Völker aus ihren Reihen stammen.

Und zuletzt der Clan der Yurdag – ein Clan von Händlern. Das Sortiment an Waren eins Yurdag Händlern hält oftmals eine Überraschung bereit für seine Kundschaft, denn nicht selten Handeln Yurdag mit seltenen, exotischen, magischen oder sehr wertvollen Gegenständen. Aber auch Dinge des gewöhnlichen Gebrauchs sind bei ihnen zu erstehen. Sie wissen immer genauestens was eine Ware wert ist und man sollte sich davor hüten sie übers Ohr hauen zu wollen!

Auch wenn jeder dieser Clans seine Eigenheiten besitzt, sind die Zwerge immer ein vereintes Volk gewesen. Gegenseitige Unterstützung, um gemeinsam ein großes Ziele zu erreichen ist für sie nicht bloß ein Ansporn, sondern eine absolute Selbstverständlichkeit.

Dieser Zusammenhalt war es auch der verhinderte, dass sich die Zwerge nach Valverahs voneinander entfremdeten oder sich durch Umwelteinflüsse allzu veränderten.

Auch heute noch sind die Zwerge sehr stolz darauf eine starke Einheit zu bilden und auch heute noch leben alle 5 Clans Seite an Seite.

Einer der bedeutsamsten Momente im Leben eines Zwergs ist das Erreichen des 25. Lebensjahres. Denn erst dann erhält ein junger Zwerg oder eine junge Zwergin das Symbol seines oder ihres Clans auf die Haut gezeichnet. Diese Symbole, werden auch Clansiegel genannt und ein solches zu tragen ist eine große Ehre.

Durch die mit dem Siegel verbundene Zeremonie wird ein Zwerg fest in die Gesellschaft und in den Clan aufgenommen und schwört nach den Gesetzen und Sitten des Clans zu leben.

Jeder Clan besitzt sein eigenen unverkennbares Siegel und auch die Körperstelle, auf die das Siegel gezeichnet wird, ist genauestens festgelegt.

Das Symbol aufzutragen ist nur sehr wenigen hochrangigen Clanmitgliedern gestattet, welche man auch Siegelmeister nennt.

Zudem heißt es, die Zusammensetzung der magischen Tinte, welche für das Siegel verwendet wird, ist das wohl größte Geheimnis des Volkes der Zwerge und auch einer ihrer größten Schätze.

Mancherorts erzählt mich sich, sie bestünde aus dem Staub unzähliger verschiedener Edelsteine, Mineralien und Gesteine und sei deswegen so kostbar. Anderenorts heißt es, die Zwerge hätten das Blut ihrer Feinde zu einer Tinte vermischt, um sich deren Stärke an zu eignen.

Fest steht nur, das sich viele Geschichten um die magische Siegeltinte ranken und ein jeder Zwerg, der das Geheimnis kennt, mit Freude den Tod begrüßen würde, bevor man ihm auch nur ein einziges Wort über die Rezeptur entlocken könnte.

Trotz allen Zusammenhalts der Zwerge herrschen einige strenge Gebote, die keinerlei Verstoß dulden.

Das mitunter wichtigste dieser Gebote ist die Reinerhaltung des Clans. Hochzeiten von Liebenden mit unterschiedlicher Clanzugehörigkeit gelten als absolut verpönt und werden nicht geduldet. Meist ist es für solche Paare schier unmöglich einen zwergischen Priester zu finden, der eine Vermählung durchführt. Lässt sich ein Paar vermählen von einem Priester eines anderen Volkes, so ist diese Vermählung nach zwergischem Recht ungültig. Sodass es nicht selten vorkam, dass ein Vater seinen bereits verheirateten Sohn oder seine Tochter ein zweites Mal verheiraten ließ, um die Ehre der Familie wieder rein zu waschen.

Auch Kinder die aus solcherlei Verbindung entstehen haben keine Chance in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Der Erhalt eines Clansiegels ist ihren unmöglich, da sie keinen reinen Stammbaum vorweisen können.

Zwar werden sie, in den Dörfern geduldet, allerdings ist das Leben für sie sehr hart, das sie deutlich zu spüren bekommen, das sie in keiner Weise teil der Gesellschaft sind. Oftmals werden diese Kinder auch als Bastarde bezeichnet, selbst wenn das Nutzen diese Bezeichnung mittlerweile als sehr verpönt gilt.

Am härtesten treffen die Gebote und Sitten der Zwerge, die Clanlosen Zwerge, welche versuchen sich entgegen der Gebote ein Clansiegel zu erschleichen. Sie werden aus der Gemeinschaft verbannt und erhalten ein Brandzeichen in Form eines Kreuzes auf den rechten Handrücken.

In der Vergangenheit standen die Clans der Zwerg immer wieder mit anderen Völkern im Konflikt.

Die heftigsten Auseinandersetzungen führten sie mit den Menschen.

Hierbei handelte es sich oftmals um Streitigkeiten über den Besitz von Territorium und den damit verbundenen Besitz von Ressourcen.

Als es während einer ehe schon sehr holprigen verlaufenden Verhandlungen zu einem Attentat auf die versammelten Führer der Menschen und Zwerge kam, brachen blutige Auseinandersetzung los, welche in Schlachten und später in einen großen Krieg ausarteten. Die beiden Kriegsfraktionen beschuldigten sich gegenseitig das Attentat verübt zu haben. Der eigentliche Schuldige konnte jedoch nie gefasst werden. Bis heute weisen beide Parteien die Schuld entschieden von sich!

In der heutigen Zeit bereuen manche der Zwerg die Taten ihrer Vorfahren und befürworten die Gesinnung hinter dem Pakt von Urelon, durch welchen ein völliger Waffenstillstand zwischen den Völkern ausgerufen wurde.

Allerdings kommen manche Zwerge immer noch nicht ganz umhin ihre offenkundige Abneigung gegen manche Völker oder Stämme zu zeigen.

Ganz besonders tief in ihrem Ansehen stehen die Dhiragoni, welche von den Zwergen immer noch bezichtigt werden Firya und die Arwah zu den Geschehnissen von Valverahs angestiftet zu haben.

Auch ihr Verhältnis zu den Nymphen ist durchaus eher Kühl. Die Beziehungen zu den Menschen, ist jedoch erstaunlicherWeise sehr gut. Würde man die Zwerge fragen, wie es zu dieser neuerlichen Freundschaft kommt, würde manch einer von ihnen mit einem breiten Grinsen wohl antworten, dass es nichts gäbe, was man nicht mit ein wenig Musik und ein paar Krügen Starkbier vergessen könnte.

Etwas für das die Zwerge bei vielen Völkern sehr bekannt sind, ist ihre Art Feste zu feiern! Anlässe zum Feiern sind bei den Zwergen schnell gefunden.

Oftmals in gemütlicher Atmosphäre sitzen sie beisammen. Bei zünftiger Musik wird das Tanzbein geschwungen. Es gibt deftige Speisen in großer Menge und dazu mehrere Fässer herbes Bier oder süffigen Honigmet. Es wird sich unterhalten, Würfel oder Karten gespielt oder sich Geschichten erzählt, deren Wahrheitsgehalt man sich manchmal im nüchternen Zustand nochmal durch den Kopf gehen lassen sollte.

Eine andere Marotte der Zwerge lässt so manchen Händler schmunzeln, der mit ihnen Geschäft macht. Denn die meisten Zwerge rechnen alles, ganz unabhängig davon welchem Clan sie angehören, den Wert jeder Ware in Runzen um. Runzen waren zur Zeit des großen Kontinents die offizielle und einzige anerkannte Währung der Zwerge. Es handelte sich um goldene Münzen, die beidseitig mit Runen verziert waren. Auch wenn sich schon seit langem Neral als Hauptwährung auf vielen Inseln durchgesetzt hat, steht für viele Zwerge immer noch außer Frage, dass das einzige Geld, das tatsächlich einen Wert besitzt, die Runzen sind. Allerdings, fragt man nach dem Wechselkurs von Runzen und Neral so wird man schnell feststellen, das dieser ganz vom Gemütszustand oder Alkoholpegel des befragten Zwerges abhängig ist.

Diese bloße Tatsache alleine, ist nun noch nicht wirklich amüsant. Dies ändert sich jedoch, wenn man sich vor Augen hält, dass es in der heutigen Zeit nirgends mehr in Inviriath tatsächlich Runzen gibt.